Die Stadtkapelle im Wandel der Zeit –
aus Spielleuten werden Stadtmusiker

Schon sehr früh, in den Jahren 1632 und 1758, ist in der Stadtchronik Mengen von Spielleuten die Rede, denen im Kriegsfall das Aufspielen zum Tanz verboten wurde. Ab 1740 wurden zur Sichelhenke im Spital und zur Kirchweih Musikanten beigezogen.

Anno 1803 wurde von Pater Ferdinand, einem Pater des Wilhelmiterklosters, eine städtische Musikgesellschaft gegründet. Das Probelokal befand sich zu jener Zeit im Gasthof zum „Roten Ochsen“, in dem ein Zimmer angemietet worden war. 1840 verlegte die Musikgesellschaft ihr Versammlungslokal in den Gasthof zum „Hirsch“ (heute Sparkasse). 1845 gab es Differenzen mit Bürgermeister Kopp, der ein öffentliches Musizieren aufgrund der Gesetzeslage nicht gestattet hatte. In diesem Zusammenhang wurde erstmals der Name des Dirigenten erwähnt: Josef Obermaier aus München, Vorstand dürfte zu jener Zeit Dr. Vogel gewesen sein.

1866 beteiligte sich der Musikverein Mengen an einem Großkonzert im Saal des Gasthofs zum „Roten Ochsen“. Einen wesentlichen Aufschwung erhielt die Musik, als sie 1870 den exzellenten Musiker und Komponisten Johann Georg Dinser als Musikdirektor einstellten. Er leitete die Gesellschaft bis etwa 1912. Danach legte er altershalber den Dirigentenstab in die Hände seines Kollegen Johann Jung.

Neben der Stadtkapelle hatte Lorenz Haidorfer junge Kräfte geschult, die im November 1913 zusammen mit den Resten der Jung’schen Kapelle die neue Stadtkapelle Mengen bildeten. Ihr musikalischer Leiter, Gustav Dehm aus Herbertingen, der den Weg nach Mengen meist zu Fuß zurücklegte, stand 20 Jahre an der Spitze des Vereins und führte die Kapelle zu großen Erfolgen.

Im Jahr 1914 wurden auch Musiker zum Militärdienst eingezogen, dennoch wurde der Probenbetrieb zweimal wöchentlich aufrechterhalten. Am 23. Juli 1922 trafen sich Musiker und passive Mitglieder, um den Verein neu zu gründen. Bereits im Jahr 1923 fand in Mengen das Oberschwäbische Musikfest statt, bei dem 52 Kapellen aus Württemberg, Baden und Hohenzollern in der Fuhrmannsstadt zu Gast waren.

Von 1933 bis 1935 bildeten die Stadtkapelle und der Musikverein Ennetach das Militär-Musikkorps Mengen. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde 1949 unter der Führung des Dirigenten Robert Ludley ein Neuanfang gewagt. Er leitete die Kapelle zwei Jahre lang. Sein Nachfolger G. Schab konnte die Kapelle im Jahr 1953 erstmals wieder in ansprechender Uniform vorstellen.